Aus dem Leben eines Investment Managers

Was läuft der berufliche Alltag eines Investment Manager ab?

Wenn ich gefragt werde was ich arbeite fällt mir oft keine gute Antwort ein.

Das liegt daran dass ich schwer einschätzen kann mit welcher Antwort mein Gegenüber am meisten anfangen kann.

Auf meiner Visitenkarte steht „Investment Manager“ und ich arbeite für ein Unternehmen dass Geld von Investoren möglichst gewinnbringend anlegt.

Gleichzeitig arbeite ich auch einfach in der Immobilienfinanzierung.

Ich finde damit wird der Unterschied am deutlichsten. Einmal klingt es zu wichtig und cool. Im zweiten Fall klingt es eher langweilig. Bei den meisten Gesprächen verwende ich die zweite Beschreibung. Meines Erachtens erhöht die erste Beschreibung Arbeit nur unnötig.

Grob zusammengefasst kann man sagen dass meine Arbeit darin besteht zu prüfen ob ein Projektentwickler für seine Idee eine Finanzierung und damit Geld von uns bekommt oder nicht.

Ein gemeinsames Merkmal von Projektentwicklern ist dass sie wenig Eigenkapital haben und das vorhandene Eigenkapital in möglichst viele Projekte gewinnbringend verteilen wollen. Weniger Eigenkapital bedeutet allerdings auch höheres Risiko.

Die Schwierigkeit besteht also darin abzuschätzen wie riskant ein Projekt ist.

Wie sieht nun also so ein Arbeitsalltag bei mir aus?

Mein Tag startet meistens gegen 6.30 Uhr, ich stehe auf, mache mich fertig und frühstück eine Kleinigkeit. Nebenher checke ich kurz ob ich bereits E-Mails bekommen habe.

Da ich in der Stadt wohne genieße ich den Luxus mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren zu können. Die Bewegung am Morgen tut mir gut und bringt auch den Kreislauf etwas in Schwung.

Um 9:00 Uhr bin ich im Büro und mein erster Gang nachdem ich die Kollegen begrüßt habe ist meistens an die Kaffeemaschine. Der erste Kaffee am Morgen schmeckt mir am besten und gehört für mich einfach zum Start in den Tag.

Da derzeit Corona voll im Gang ist, ist unser Büro sehr dünn belegt. Wir haben uns in 2 Gruppen aufgeteilt, die jeweils abwechselnd im Büro arbeiten.

Sobald der Laptop hochgefahren ist, checke ich dann nochmal genauer meine Mails und scanne kurz ob ich ein paar davon direkt abarbeiten kann.

Mit der Zeit habe ich mein Outlook immer weiter angepasst und verbessert. Mit unterschiedlicher Ordnerstruktur und einem Archiv bekomme ich die E-Mail Flut gut in den Griff. Allerdings bedeutet die Organisation auch etwas Mehraufwand.

Neben meinen E-Mails benutze ich Outlook auch als To do Liste. Bei unterschiedlichen Projekten hilft mir das dabei Dokumente nachzuhalten und Deadlines nicht zu verpassen.

Einmal pro Woche setzen wir uns alle zusammen um über die aktuellen Themen und Projekte zu sprechen. Hier trägt jeder kurz vor an welchen Themen er arbeitet und wo es Probleme gibt, oder welche zu lösen sind.

Bei mir ist diese Woche alles mehr oder weniger planmäßig verlaufen und ich berichte nur kurz über den aktuellen Stand der Projekte an denen ich arbeite.

Bei einer neuen Anfrage eines Kunden erstelle ich derzeit eine Übersicht über das Vorhaben. Dabei geht es um den Ankauf eines Mehrfamilienhauses in einer hessischen Großstadt. Nach dem Ankauf soll das Bestandsgebäude abgerissen und mit neuen Eigentumswohnungen bebaut werden. Neben der genauen Lage beschreibe ich auch kurz den Kunden, sowie die angedachte Finanzierungsstruktur. Da sich das Projekt noch am Anfang befindet, liegen auch noch nicht alle Informationen vor und die Kennzahlen können sich noch ändern.

Daran arbeite ich auch noch bis zum Mittag und schicke mein Ergebnis an unseren Head of Investments. Einige Stellen, insbesondere rechtlicher Natur habe ich noch gelb gefärbt, weil ich diese noch mit unseren Anwälten kurz abklären will.

Bei einer laufenden Transaktion muss ich noch weiter am Investment Memo schreiben. Das Investment Memo beschreibt detailiert die Transaktion und stellt die Vorlage für die Gremienentscheidung dar. Im Memo wird unter anderem der Business Plan, der Markt, sowie Risiken und Chance dargestellt.

In diesem Fall schreibe ich bei der angedachten Finanzierungsstruktur weiter. Da uns aus dem Datenraum bereits die Senior-Finanzierungsverträge vorliegen, kann ich diese näher erläutern und auch die geplante Mezzanine-Finanzierung beschreiben (darunter die Höhe der Zinsen, die Laufzeit des Darlehens, den Darlehensnehmer und die Sicherheitenstruktur).

Parallel dazu muss ich noch Fragen der externen Berater beantworten, oder mit Informationen organisieren. Bei der Prüfung neuer Transaktionen beauftragen wir in der Regel immer auch Gutachter und externe Anwälte:

  • Die Gutachter stellen den aktuellen Wert des Projekt fest. Je nach Planungsfortschritt gibt es unterschiedliche Werte. Sollte bereits Baurecht vorliegen wird ein Marktwert nach Fertigstellung benötigt. Wenn Baurecht noch nicht vorliegt, wird ein Residualwert benötigt. Das ist der aktuelle Wert des Projekts und wird nach
  • Externe Anwälte, für die Vertragsdokumentation und um über rechtliche Risiken aufzuklären

Die Arbeit mit den externen Beratern ist größtenteils organisatorischer Natur. Das fängt damit an dass man mehrere Angebot einholen muss, den Beratern kurz erklären sollte was genau gefordert wird, damit die Angebot nachher auch vergleichbar sind und hört damit auf dass man einen Datenraum oder genug Informationen zur Verfügung stellt.

Erst wenn es konkret in die Erstellung der Vertragsunterlagen geht, arbeitet man auch inhaltlich mit den externen Anwälten zusammen um die kommerziellen Punkte im Darlehensvertrag umzusetzen.

Da in der Zwischenzeit bereits nachmittag ist, versuche ich entweder die Arbeit zu erledigen für die am Vormittag keine Zeit war wegen Telefonaten, Abstimmungen und Meetings, oder ich arbeite an kleineren Aufgaben, deren Priorität nicht ganz so hoch ist.

Das sind ganz häufig Erinnerungs-Mails und Telefonate mit Kunden über Informationen die versprochen wurden, aber noch nicht zugeschickt wurden.

Bei einigen älteren Transaktionen sind auch noch nachfolgende Bedingungen (conditions subsequent, oder kurz „CS“) aus den Kreditvertrag offen. Das sind ebenfalls meistens Informationspflichten die der Kreditnehmer nach der Unterzeichnung und Auszahlung des Kreditvertrags noch zuliefern muss.

Da nach Auszahlung der meiste Stress bei einer Transaktion immer weg fällt, geraten auch die CS gerne mal etwas in Vergessenheit. Es ist allerdings wichtig eine lückenlose Dokumentation vorliegen zu haben – das bedeutet auch dass die CS zeitnah vollständig vorhanden sein müssen.

Ich mache heute gegen 19:30 Uhr Feierabend. Das entspricht wohl auch dem langfristigen Durchschnitt meiner Feierabendzeit.

Wegen Covid-19 sind die Fitnessstudios leider gerade geschlossen. Sonst hätte ich noch eine Sporteinheit auf dem Heimweg eingeschoben. Das muss jetzt eben bis zur Öffnung der Studios warten.

Zu Hause angekommen mache ich mir noch Abendessen und schaue nebenher ein paar Youtube Videos.

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