Die „Bud Spencer“-Methode – Wie ich mein 6-stelliges Portfolio aufgebaut habe💸✅

Die Bud Spencer Methode
Die Bud Spencer Methode

Am Fenster zieht die Landschaft vorbei. Ein paar Hügel und grüne Wiesen.

Es hat 30 Grad. Der Hochsommer hat Deutschland fest im Griff.

Vom Klima bekomme ich nicht viel mit.

Ich sitze bei 200km/h im klimatisierten ICE und fahren zurück nach München. Übers Wochenende habe ich meine Eltern besucht.

Auf der Heimfahrt klappe ich meinen Laptop auf. Das sanfte Schaukeln des Zugs entspannt mich.

Auf dem Bildschirm öffnet sich Outlook. Neben ein paar ungelesen E-Mails blinkt ein Reminder für morgen auf.

„ETFs“ steht dort nur.

„Ah stimmt. Darfste morgen nicht vergessen.“ denke ich mir.

Morgen wird wieder investiert.

Ich investiere regelmäßig alle zwei Monate. Immer in die gleichen zwei ETFs.

Seit mittlerweile 6 Jahren.

Ich bin ein Buy & Hold Investor.

Mein Depot ist 6-stellig. Dieses Jahr habe ich über €50.000 investiert.

Mit der Bud Spencer-Methode

Ich schaue aus dem Fenster. „Wie habe ich eigentlich damit angefangen?“ frage ich mich.

„Finance people – we figure stuff out“

6.000 km entfernt von Deutschland. Irgendwo in einer Kleinstadt in Tennessee.

Ich laufe gerade in das Unigebäude.

Mein Professor Dr. Martin kommt ins Zimmer. „Hey y’all, let’s get started”.

Dr. Martin ist mein Lieblings-Prof. Er hat weißes Haar und einen weißen, getrimmten Bart. Heute trägt er wieder sein Lieblingsshirt. Darauf steht „If I speak, you should take notes“.

Könnte treffender nicht sein.

Alles was er sagt sauge ich auf.

Einer seiner Lieblingssprüche ist auch: „Finance people – we figure stuff out„.

Für mich ist er der Inbegriff eines Finance-Profs. Hat sein eigenes Aktien-Portfolio bereits zweimal genullt, aber ist danach immer wieder stärker zurückgekommen.

Wir investieren ein Portfolio mit über $100.000. Echtes Geld.

Das örtliche Energieunternehmen stellt einigen Universitäten Geld zur Verfügung. Studenten investieren möglichst gewinnbringend an der Börse. Am Ende des Semesters wir abgerechnet, wer die beste Performance erzielt hat. 

Der 1. Platz gewinnt neben Ruhm und Ehre auch etwas Preisgeld für die Universität.

In jeder Vorlesung muss ein Student eine Aktie vorstellen, die er für den Fund vorschlägt. Danach wird diskutiert, ob wir tatsächlich Geld investieren.

Heute bin ich an der Reihe.

Als erste Aktie stelle ich Sunstone Hotel Investors Inc. vor.

Kein ganz sicheres Unternehmen, sondern gleich mal einen REIT der in Hotels in den USA investiert.

Sunstone Hotel Investors Aktienanalyse
Sunstone Hotel Investors Aktienanalyse

Hier kannst du sehen wie ich meine Aktienanalyse damals aufgeteilt habe.

Nicht besonders professionell, aber Hey – ich hatte keine Ahnung davon.

Anfang Februar 2011 reiche ich mein Proposal to buy ein – 1.345 Aktien für je $9,66 pro Aktie.

(Die Aktie steht mittlerweile bei $8,30 – vermutlich also ein ganz ordentliches Investment wenn man die Dividenden berücksichtigt)

Während dem Semester muss ich noch zwei weitere Aktien vorstellen.

Ich wähle ARIAD Pharmaceuticals.

ARIAD ist ein US-Pharmakonzern, den ich für $14,90 pro Aktie im Februar 2019 kaufen möchte. (ARIAD wurde von Takeda für $24 pro Aktie Anfang 2017 übernommen. Quelle)

Meine letzte Aktie pitche ich im März: CNOOC, ein chinesischer Ölkonzern, den ich für $204,19 pro Aktie kaufen möchte.

(Stehen derzeit bei $116 pro Aktie. War wohl eher ein Griff ins Klo – vielleicht hätten die Dividenden noch was rausreissen können…).

Bei jedem Pitch komme ich mir vor wie ein Aktieninvestor.

In jedem Fall ist es ein cooles Gefühl echtes Geld zu investieren.

Mein Prof ruft am Ende jeder Vorlesung die Bank an um die Orders durchzugeben. Richtig Old-School einfach noch.

In seiner Vorlesung lerne ich auch über Markteffizienz, Kapitalmarkttheorie und natürlich den Zinsezinseffekt.

Für mich ist klar, dass ich mein Geld gut anlegen muss, damit es für mich arbeitet.

Fast forward 1,5 Jahre:

Ich bin Investor – Mein erster Kauf

Nach meinem Studium und zwei weiteren Praktika bei internationalen Banken im Investment Banking, steige ich mit einem Trainee Programm bei einer Großbank ein.

Mein Lebensstil ist immer noch sparsam. Ich gebe wenig Geld aus.

Hier und da gönne ich mir aber alles was ich möchte. Ich fahre mit Freunden in den Urlaub, ich kaufe mir ein neues Handy und abends gehe ich auch mit Freunden etwas trinken.

Mein Konto füllt sich langsam.

Was mache ich mit meinem Cash? Wie investiere ich richtig?

Meine Gedanken dazu werden konkret. Ich informiere mich im Internet. Vor allem im Wertpapier Forum.

Ich lese den Kommer quer. Mir ist klar, dass ich auf ETFs setze.

Ich will den Markt nicht schlagen.

Mir wird klar, dass ich ein Vermögen mit Aktien nicht durch Stock Picking schaffe. Ich muss den Risiko-Anteil meiner Asset Allocation erhöhen.

Für Privatanleger gilt: Nicht Kleckern, sondern Klotzen!

Das Ergebnis?

Im August 2014 kaufe ich meine ersten beiden ETF-Anteile:

  • €350 ETF 110 und
  • €150 ETF 127

 

Ich entscheide mich für einen ETF auf den MSCI World (ETF 110) und auf den MSCI Emerging Markets (ETF 127).

Ich investiere im Verhältnis 70% / 30%. Mein Sparplan investiert jeden Monat.

Nach meinem ersten Kauf im August 2014 schaue ich täglich in mein Portfolio.

Ich freue mich, wenn mein Depot um einen Euro gestiegen ist.

 

Die „Bud Spencer“-Methode

9. September 2014:

Mein Sparplan investiert wieder €500. Davon €350 in ETF 110 und €150 in ETF 127.

Schon im zweiten Monat gewöhne ich mich an das Auf und Ab. Ehrlicherweise geht es gerade nur nach oben. Also schnell wieder investieren.

Ich rechne kurz hoch. Monatlich €500 ergeben €6.000 pro Jahr. Das reicht mir nicht. Es muss schneller gehen.

6. Oktober 2014:

Ich passe meine Sparpläne nach oben an. Diesen Monat werden €1.500 investiert. Ich investiere also das 3-fache.

Mein Depotwert verdoppelt sich sofort.

5. November 2014:

Es reicht mir nicht. Ich lege nach und erhöhe die Sparplanrate auf €2.000. Es fließen €1.400 in den ETF 110 und €600 in den ETF 127.

Ende 2014 habe ich bereits €6.500 investiert.

Die Aktien steigen weiter und mein Depot gewinnt an Fahrt.

Bis Mitte 2015 investiere ich jeden Monat €2.000.

Ich schaue nicht nach links oder rechts.

Ich analysiere keine Aktien.

Ich schaue nicht auf die Märkte.

Ich weiß, dass sie steigen.

Kleinvieh macht auch Mist? Schluss mit lustig – denke ich mir nur. Schlagkraft muss her!

Über die nächsten 5 Monate investiere ich €20.000.

Ende 2015 habe ich €41.000 investiert.

Wenn Du ernsthaft ein Portfolio aufbauen willst, dann hör auf mit diesem €100 in Aktie A und €200 in Aktie B!

Bud Spencer haut seine Gegner nicht mit einem gezielten Karate-Schlag K.O.

Er packt den großen Schwinger aus! Ohne Rücksicht auf Verluste!

Bud Spencer Methode
Bud Spencer Methode

Wenn dein Portfolio groß werden soll, dann musst du richtig reinbuttern!

Und hör bitte auf die 37. Aktie zu analysieren, bei der du dir 2% Alpha erhoffst.

Leider habe ich mich auch nicht immer an die Bud Spencer Methode gehalten.

2016 & 2017:

In 2016 und 2017 war ich etwas gemächlicher unterwegs.

Neben (nicht besonders) erfolgreichem Jobwechsel und mehreren Umzügen stand ich sogar mit niedrigerem Gehalt als vorher da.

Wie viele andere, mache ich auch den Fehler und betreibe Market Timing.

Die Börsen stehen hoch. Ich denke mir dass das das nicht ewig weitergehen kann.

Daher reduziere ich meine Sparrate drastisch und investiere wieder nur €500 pro Monat.

Ein Fehler im Nachhinein.

2018:

Erst 2018 wache ich wieder auf.

Neben einem Depotumzug zur ING und Verkauf von Anteils-Bruchteilen, investiere ich nun manuell. Meistens alle 2 Monate rund €3.000.

Ende 2018 stehe ich kurz vor meinem ersten Meilenstein.

Ich stehe kurz vor den €100.000 an Einzahlungen. 6-stellig!

Es kommt Leben in die Bude.

Bis jetzt:

Über die letzten beiden Jahre, habe ich einigermaßen konsequent rund €4.000 alle 2 Monate investiert.

Mein Deport ist derzeit rund 20% im Plus und erreicht einen IRR von 7,5%.

Spätestens Anfang 2021 werde ich den nächsten Meilenstein erreichen: Einzahlungen im Wert von €200.000.

Wie investierst du richtig? Size matters!

Fang an zu Investieren.

Wenn du wirklich Vermögen aufbauen willst, musst du die „Bud Spencer“-Methode anwenden!

Wenn du signifikante Altersvorsorge betreiben willst, kommst du um 4-stellige Investitionsbeträge monatlich nicht herum!

Size matters!

Wie-bin-ich-zur-Boerse-und-Aktien-gekommen
Wie-bin-ich-zur-Boerse-und-Aktien-gekommen

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Blogparade „Wie bin ich zur Börse & Aktien gekommen? – Mein Weg zum Glück“ von Alexander vom Blog Short-Aktien entstanden.

Ich beschreibe hier meinen Weg wie ich mein 6-stelliges Aktiendepot mit der „Bud Spencer“-Methode aufgebaut habe.

9 Kommentare

  1. Hallo Harald,
    wow ich bin beeindruckt. In solch jungen Jahren schon ein beachtliches Portfolio aufzubauen. Du hast recht mit der Aussage „Think big to get big“. Dass muss ich für mich auch mehr machen.
    Super motivierender beitrag.

    Grüße
    Timo

    • Hallo Timo,
      es ist immer eine gewisse Einstellungssache wie man sich zu gewissen Dingen positioniert.
      Wer richtig Vermögensaufbau betreiben will kommt nicht drum rum signifikante Beträge (fängt bei mir persönlich ab monatlich €1.000 – also 4-stellig an) zu investieren.
      Bei mir ist das möglich, da ich (sehr) gut verdiene und keine Einschränkungen habe die ich berücksichtigen muss (z.B. Familie etc).

      Wie siehts bei dir mit dem Portfolio-Ausbau aus? Ist was in der Pipeline? 🙂

      Viele Grüße
      Harald

  2. „Wenn dein Portfolio groß werden soll, dann musst du richtig reinbuttern!“

    Meine 100%ige Zustimmung! Etwas überspitzt gesagt fällt doch tatsächlich etlichen Zeitgenossen ein, mit 55 Jahren anzufangen, etwas für die Altersvorsorge zu tun. Da werden dann monatlich 100 EUR in ein „gaaaaanz sicheres“ Produkt der Bank „investiert“. Und dann wundert man sich, dass man doch nicht mit 63 aufhören kann zu arbeiten. Schließlich habe man sich die 100 Taler doch vom Munde abgespart.

    Wie gesagt: Etwas überspitzt formuliert. Der Haken an der Sache ist der, dass es den meisten Menschen an Durchhaltevermögen mangelt. Meine Sparraten waren einst auch sehr niedrig im kleineren dreistelligen Bereich. Und trotz teurem Familienanhang habe ich die Sparrate über die Jahre permanent erhöhen können und der jährliche Vermögenszuwachs durch Sparen, Wertsteigerungen und Ausschüttungen der Wertpapiere sowie Tilgungen durch Mieteinnahmen liegt mittlerweile im hohen fünfstelligen (in einigen Jahren sogar sechsstelligen) Bereich. Die meisten Menschen sehen nicht die Möglichkeiten. Sie sparen 10.000 EUR an und hauen sie dann auf den Kopf, anstatt darauf aufzubauen. Ich denke sogar, dass vielen Menschen ein großes Vermögen regelrecht Angst macht und sie mental gar nicht dafür geeignet sind. Und so bringen sie es natürlich auch zu nichts.

    Ich bin übrigens bei „Null“ angefangen und habe seinerzeit mehrere Jahre neben dem eigentlichen Job täglich hart körperlich auf den eigenen Baustellen gearbeitet, um das fehlende Eigenkapital zu kompensieren. Etwas, was meine Umwelt nicht verstehen wollte. Es ist also jedem alles möglich. Aber Ausreden haben immer Konjunktur.

    Eine sehr interessante Seite! Ich denke, ich schaue öfters mal rein.

    Gruß
    JustDoIt

    • Hi JustDoIt,

      starker Beitrag! Kann dir in deinen Punkten nur absolut Recht geben!
      Betreibst du auch einen Blog oder ähnliches? Bei 5-6-stelligem jährlichen Vermögensaufbau ist über die Jahre sicherlich richtig ordentlich was zusammengekommen.
      Sind in deinem Portfolio auch ein paar Immos? Würde mich interessieren!

      Viele Grüße
      Harald

  3. Hallo,

    ja, in der Tat sind dort ein paar Immos vorhanden. Sogar ein paar mehr. Ich bin aber nicht den klassischen Weg gegangen, der da lautet: Wohnung kaufen, sich über 400 EUR Miete freuen und alles was überbleibt an die Hausverwaltung abdrücken oder die von denen beauftragten überteuerten Handwerker bezahlen. Auch dies ist sicherlich etwas überspitzt ausgedrückt. Aber es drückt im Kern meine differenzierte Haltung zu Immobilien aus. Wenn heute jemand eine neue Wohnung kauft, um diese zu vermieten, dann haben sich bis zu diesem Zeitpunkt etliche Personen und Firmen die Taschen vollgestopft. Der Bauunternehmer. Der Bauträger. Der Makler. Die Banken. Das ist ja auch in Ordnung. Die müssen ja auch alle verdienen und Steuern zahlen. Der Haken dabei ist, dass das der so genannte Investor bezahlen muss. Und zwar sofort über den Kaufpreis. Dann geht das weiter: Ein Mieter wird gesucht. Im schlechtesten (weil teuersten) Fall über einen Makler. Den zahlt der so genannte Investor dann auch. Und nun ist man Vermieter. Und man „darf“ sich einmal im Jahr im Rahmen der Eigentümerversammlung mit den Eigenheiten seiner Miteigentümer auseinandersetzen, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Ach ja: Der Hausverwalter ist ja auch noch da. Die ziehen auch noch einmal ein paar hundert Euro jährlich je verwalteter Wohnung ab. Das ist ja auch in Ordnung. Die müssen ja auch verdienen und Steuern zahlen.
    Ich denke, mein Standpunkt dürfte nun ziemlich klar sein. Vermieter sind, sofern sie „klassisch“ investieren, Melkkühe und Risikoträger für alle anderen Beteiligten. Alle sind fein raus und bekommen ihr Geld garantiert. Nur der so genannte Investor muss immer herhalten. Er trägt die Risiken vollumfänglich, insbesondere das Risiko des Mietausfalls oder Leerstands.
    Aus meiner Sicht sind die Mieten trotz aller Heulerei von Mieterverbänden ohnehin viel zu niedrig. In anderen europäischen Ländern muss vom verfügbaren Haushaltseinkommen ein deutlich höherer Anteil für Miete und Mietnebenkosten aufgewendet werden als hierzulande. Und: Wenn man eine Kalkulation erstellt, welche unter anderem Wiederbeschaffungskosten nach ca. 65 Jahren, Unterhaltungskosten und Reparaturen, Mietausfallrisiken, einen angemessenen „Unternehmerlohn“ (für die eingesetzte Zeit) sowie eine angemessene Verzinsung des eingesetzten bzw. aufgenommenen Kapitals berücksichtigt, kommt man auf deutlich höhere Mieten, als wir sie haben. Mir drängt sich der Eindruck auf, als seien wir im Sozialismus, wenn es um das Thema Wohnen geht.

    Wie Du siehst, habe ich an dem „klassischen“ Immobilieninvestment etliches auszusetzen. Deshalb bin ich diesen Weg auch nicht bzw. nicht weiter gegangen. Und dennoch habe ich mit Immobilien die größten und stärksten Vermögenszuwächse erzielen können. Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen ein wenig dazu. Nur so viel vorweg: ALLE Kostenpositionen, welche ich oben angeführt habe, sind absolute Renditekiller. Man muss sehen, dass diese Erträge im Wesentlichen bei einem selbst bleiben. Dafür muss man sich bedingungslos selbst einbringen. Dann funktioniert es auch mit der Rendite.

    Einen Blog habe ich nicht. Dafür habe ich zum einen keine Zeit und zum anderen tummeln sich meinen Beobachtungen nach dort auch zu viele Idioten. Ich war vor Jahren auf dem Blog „Meine Million und ich“ von Arkad regelmäßig aktiv und habe dort so meine Erfahrungen gemacht (Diese sind allerdings nicht auf den Betreiber des Blogs zurückzuführen – der hatte da ein ganz tolles Ding laufen und ich bedaure, dass er „zugemacht“ hat.) Zu Dir habe ich übrigens über „der-privatier.com“ gefunden. Den Betreiber kenne ich noch von besagtem „Meine Million und ich“. Falls es Dich interessiert…

    Gruß
    JustDoIt

    • Hallo JustDoIt,

      ganz starker Beitrag!
      Du hast Recht – alle Kostenpositionen die ich als Investor trage sind Renditekiller.
      Es ist natürlich überspitzt ausgedrückt worden von dir, das Prinzip stimmt aber natürlich.
      Auch bei mir bleiben nur ein paar Euro bei den Wohnungen hängen. Wenn da mal größere Reparaturen, oder Wiedervermietungen kommen, die ich an einen Makler auslagern muss, ist meine Rendite erst mal futsch.
      Was ich generell etwas kritisiere ist sind die Renditeberechnungen vieler Investoren, weil diese Stichtagsbezogen sind. Ich rechne mir wenigstens unter bestimmten Annahmen einen IRR über 10 Jahre aus.

      Anderes, gleiches Thema:
      Hast du Interesse & Lust deine Sichtweise zu Immobilien in einem richtigen Beitrag mit uns zu teilen?
      Deinen Nachrichten nach hast du erhebliche Bestände – dh da gibt es viel Erfahrung, die mitgeteilt werden kann. Zusätzlich kommt dazu, dass du nicht den „klassischen“ Kapitalanleger-Weg gewählt hast, den viele (und ich) beschreiten und sich nachher über paar Prozent Rendite freuen…Darüber würde ich mich noch mehr interessieren!

      Würde mich über eine kurze Rückmeldung freuen!
      Viele Grüße
      Harald

  4. Hallo, erhebliche Bestände sind da nun nicht. Aktuell sind „nur“ sechs Wohneinheiten zum Zwecke der Vermietung im Bestand. Vier weitere sind in Arbeit. Es ist nicht mein Ziel, Immobilien zu „sammeln“. Insgesamt hatte ich zehn Einheiten in der Vermietung. Vier habe ich wieder verkauft. Und auch die jetzigen Immobilien im Bestand sind irgendwann verkaufsreif.

    Ich habe mich zu Kosten schon reichlich ausgelassen. Kosten müssen niedrig bleiben. Und man darf die Banken nicht unterschätzen. Die Bonität ist ein ganz wesentlicher Punkt. Ich bin sehr sicherheitsorientiert und habe keine Lust, einmal alles zu verlieren. Daher habe ich auch klein anfangen müssen.

    Meine Devise lautet: Immobilien günstig erstellen (keine gebrauchte kaufen), vermieten und mit der Miete das Darlehen mit einem möglichst hohen Tilgungssatz abzahlen lassen, alles selbst verwalten um Kosten niedrig zu halten und dann das Objekt irgendwann nach Ablauf von 10 Jahren steuerfrei (!) und mit hohem Gewinn zu verkaufen. Die Wertschöpfungskette bleibt nahezu vollständig bei mir. Das pusht den Ertrag. Ich tätige hier auch keine theoretischen Aussagen sondern habe das schon mehrfach durchgezogen. Bei mir funktioniert das alles sehr gut. Aber wie gesagt: Es ist sehr viel Arbeit und man braucht einen sehr langen Atem. Eine Eigenschaft, die den meisten Menschen fehlt.

    Ich will heute nur kurz auf die günstige Erstellung eingehen. Ich habe immer mal wieder Grundstücke (Baulücken) gekauft und der Verwendbarkeit entsprechend Objekte dafür geplant. Grundrisse wurden selbst erstellt und das Ganze von einem entsprechenden Fachmann als Bauantrag erstellt. Die Vergabe von Gewerken erfolgte in eigener Regie. Bei den ganz frühen Bauten habe ich selbst Hand angelegt. Und zwar richtig. Ich habe dort ein knappes Jahr lang neben dem regulären Fulltime-Job im Mittel ca. 30 Stunden wöchentlich gearbeitet und mir etliche Tätigkeiten angeeignet. Daneben musste natürlich noch das organisatorische Drumherum gemeistert werden. Es waren sehr arbeitsreiche Zeiten. Aber: Dadurch wurden die Gebäude auch entsprechend günstig. Kein Bauträger, wahnsinnig viel Eigenleistung. Somit war der Wert des Gebäudes schon bei Fertigstellung deutlich höher, als das dafür aufgenommene Bankdarlehen. Diese sofortige Wertschöpfung schafft man mit einer „Wohnung von der Stange nicht“. Und das beruhigte auch die notorisch nervösen Banken.

    Wie es weitergeht, schreibe ich demnächst.
    Gruß
    JustDoIt

  5. Hallo JustDoIt

    das liest sich spannend. Hast du einen entsprechenden Hintergrund um Immobilien zu entwickeln, oder das entsprechende Netzwerk an Architekten und Handwerkern? Oder hast du „einfach mal angefangen“ damit?
    Gerade der Planungsprozess ist ja nicht ganz einfach für einen Branchenfremden.

    Viele Grüße
    Harald

  6. Hallo, der entsprechende Hintergrund hat sich so entwickelt. Ich bin ursprünglich einmal „an die Hand genommen worden“ in einem Projekt. Und da in diesem Projekt etliches nach dem „Try-And-Error-Verfahren“ lief, dachte ich, dass ich das reproduzieren könnte. Ich wollte es nur besser machen. Und es hat tatsächlich funktioniert. Mit der Zeit hat sich tatsächlich so etwas wie ein Netzwerk ergeben und es gibt sehr gute auf Vertrauen basierende Verhältnisse mit Handwerkern und Firmen. Unterm Strich waren es Dinge, welche ich einfach getan habe. Aus Sicht vieler Mitmenschen war es riskant und außergewöhnlich. Ich habe die Chancen gesehen und einfach gemacht. So komme ich auch an meinen Nick: JustDoIt

    Du hast hier auch Abhandlungen über Kennzahlen wie z. B. der „Loan-To-Value“ geschrieben, welche ich sehr interessant finde. Mit Kennzahlen habe ich mich nie herumgeschlagen. Letzten Endes war es aber immer Grundvoraussetzung, dass die Immobilie nach Fertigstellung einen deutlich höheren Marktwert hat als mich das Ding gekostet hat. Derartige „wundersame“ Wertsteigerungen können die meisten nicht nachvollziehen. Dabei ist es ganz einfach: Wenn man ein großes Grundstück teilt und dann mehrere kleine Grundstücke hat, so ist der Wert der einzelnen Grundstücke in Summe in der Regel höher als der Wert des großen Grundstückes. Damit geht es schon los. Wenn man dann noch darauf verzichtet, sich einen Stararchitekten dazuzuholen und sich selbst Gedanken macht (baurechtliches Grundwissen ist im Übrigen vorhanden), wie die Immobilie aussehen soll, spart man an der Planung schon richtig. Man muss nur noch einen Planer holen, der das in einen ordentlichen Bauantrag umsetzt. Wenn man dann noch weiter auf den Stararchitekten verzichtet und Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke selber macht, hat man den nächsten Punkt gespart. Und wenn man dann noch hingeht und so wie ich etliches selbst macht, dann spart das noch einmal. Das alles in Summe führt dazu, dass der Wert der Immobilie sofort erheblich über dem liegt, was sie gekostet hat. Damit bin ich auf der sicheren Seite. Und die Bank ist glücklich. Wobei es hier tatsächlich einmal im Rahmen einer Anschlussfinanzierung eine gewaltige Reiberei mit der damaligen Hausbank gegeben hat. Man hatte seinerzeit den Beleihungswert derart niedrig und derart weitab der Marktgegebenheiten angesetzt, dass es schon weh tat vor Dummheit. Damit sollten Zinskonditionen gerechtfertigt werden, welche völlig utopisch waren. Auf Deutsch: Die Bank setzte den Beleihungswert auf etwa 70% der ursprünglichen Herstellungskosten(!) an, welche ja ohnehin schon sehr gering waren. Da seit der Herstellung aber einige Jahre vergangen waren und der Marktwert zwischenzeitlich auch noch deutlich gestiegen war, entsprach der Beleihungswert nur etwa 45% des Marktwertes. Ich kenne sehr wohl den Unterschied zwischen Beleihungswert und Marktwert. Aber die Message war klar: Man wollte mich loswerden und hat dies schlussendlich auch offen kommuniziert, nachdem ich die so genannten Berater unter Druck gesetzt hatte. Es gab zwei Gründe: Da ich mittlerweile mehrere Immobilien über diese Bank finanziert hatte, wurde ich für die Bank zum Klumpenrisiko. Und weil man bei mir keine Produkte wie Fonds (Ausgabeaufschläge zahle ich nicht!) oder Versicherungen platzieren konnte, war ich einfach nur ein Störfaktor. Insgeheim glaube ich aber auch, dass dort auch der Faktor Neid bei den „Beratern“ eine Rolle gespielt haben könnte. Folgerichtig habe ich die Bank gewechselt und dank guter Kontakte konnte ich dort gleich mit Vollgas weiter machen. Dort hat man mich im Blick auf die Einkommens- und Vermögenssituation mit offenen Armen empfangen.

    Ich hoffe, dass diese Erfahrungen aus Sicht eines (kleinen) Immobilieninvestors Dich in Deiner Eigenschaft als Banker interessieren. Ich habe über die Jahre sehr viel über Banken und deren Sichten und Probleme lernen können. Das macht sehr vieles leichter. Offenheit und bedingungslose Offenlegung der eigenen Daten ist ein sehr wichtiger Punkt. Dann klappts auch mit dem Banker. Und auch die mehr als ausreichende Unterlegung der Projekte mit Eigenkapital ist nicht nur aus Bankensicht ein sehr wichtiger Aspekt. In diesem Zusammenhang kann ich auch nicht wirklich verstehen, wie es einem so genannten „Vermieter“ gelingt, über 50 Immobilien auf Pump zu kaufen und diese dann auch noch teils zu 110% finanziert. Derartige Beispiele gibt es im Netz in entsprechenden Blogs. Meine Bank würde so etwas nicht mitmachen. Und ich auch nicht.
    Gruß
    JustDoIt

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