Über Rolex und Patek – 😨Wie bei mir die Lifestyle-Inflation zuschlägt

Was haben die Rolex vom Kollegen, der Mercedes vom Chef und die jährliche Südamerika Reise vom Nachbarn gemeinsam?

Sie alle kosten viel Geld und stellen Verbindlichkeiten dar.

 

Was denkst Du? Habe ich auch eine Rolex? Oder bin ich eher der Typ für die Patek?

In diesem Beitrag analysiere ich wie bei mir die Lifestyle-Inflation zuschlägt

Was ist die Lifestyle-Inflation?

Bei der Lifestyle-Inflation geht es darum, dass mit steigenden Einnahmen, die Kosten gleichzeitig steigen. Am Ende bleibt wieder genauso wenig übrig wie vorher. 

Eine der wichtigsten Gleichungen in der Betriebswirtschaftslehre ist:

Umsatz – Kosten = Gewinn

Die Gewinnerzielungsabsicht ist ein Kerngedanke des wirtschaftlichen Handelns. Du willst Gewinn erzielen. Und ich auch. 

Das hört sich abstrakt an, ist aber nur der Grund dafür dass du und ich täglich arbeiten gehen um Geld zu verdienen. 

Dein Gehalt sollte alle deine Kosten decken. Noch besser wäre es, wenn du am Ende des Monats Geld übrig hast, dass du sparen und investieren kannst. Zum Beispiel in eine vermietete Eigentumswohnung

Lies: Meine erste Immobilie (ETW #1)🚀

Lies: Gründe die für eine vermietete ETW sprechen 🏡💡

Entdeckt wurde die Lifestyle-Inflation vom Soziologen C. Northcote Parkinson 1979. Dort stellt er das zweite Parkinsonsche Gesetz zur Verschwendung auf:

„Expenditures rise to meet income”

(auf deutsch: „Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens“)

Die Höhe des Einkommens und die Höhe der Ausgaben hängen also zusammen. Steigt das Einkommen, steigen auch die Ausgaben.

 

Wie funktioniert es nicht?

Bei einem Umsatz von €100, Kosten von €80, verbleibt ein Gewinn von €20.

Um mehr Gewinn zu erzielen habe ich drei Möglichkeiten:

  • Ich steigere den Umsatz
  • Ich reduziere die Kosten
  • Beides gleichzeitig.

 

Ein häufig zu sehenden Phänomen ist, dass bei einem steigenden Umsatz, die Kosten überproportional steigen.

Beispiel: Der Umsatz steigt um 10%, die Kosten steigen überproportional um 12,5%.

Im Ergebnis wird ein Gewinn von €20 erzielt. Es findet also keine Steigerung des Gewinns statt. 

 

Wie funktioniert es richtig?

Der richtige Weg ein höheres Einkommen aufzubauen geht nur über den Weg die Kosten bei steigendem Einkommen (maximal) proportional ansteigen zu lassen.

Proportionale Kostensteigerung
Proportionale Kostensteigerung

Beispiel 1: Der Umsatz steigt um 10%, die Kosten steigen proportional um 10%.

Im Ergebnis steigt mein Gewinn von €20 auf €22 an – eine Steigerung von 10%.

Noch viel besser wäre es, wenn die Kosten weniger stark steigen würden wie das Einkommen.

 

Überproportionaler Vermögensaufbau
Überproportionaler Vermögensaufbau

Beispiel 2: Der Umsatz steigt um 10%, die Kosten steigen jedoch nur um 8%.

In diesem Fall kann ich also meinen Gewinn von €20 auf €23,6 erhöhen – eine Steigerung von 18%.

 

Zwischenfazit:

Von Lifestyle-Inflation spricht man, wenn die Ausgaben zusammen mit den Einnahmen steigen. Wenn ich also mehr Geld für Rücklagen und Investitionen, wie z.B. in Mintos (Lies: Meine Mintos Einstellungen für 10,8% Rendite) zur Verfügung haben möchte, dann dürfen meine Ausgaben höchsten linear zu meinen Einnahmen steigen.

Wie sieht es denn nun bei mir konkret aus? Unterliege ich auch der Lifestyle-Inflation? 

 

Mein Lifestyle

Um das besser beurteilen zu können habe ich mein Leben in 3 Abschnitte unterteilt:

Abschnitt 1 – Mein Leben als Schüler und Student

Abschnitt 2 – Mein erster Job

Abschnitt 3 – Karriere und Gehaltssteigerungen

 

Mein Leben als Schüler und Student

Dankenswerter Weise komme ich aus einem wunderbaren Elternhaus und hatte eine super Kindheit, in der mir (vermutlich) typische schwäbische Werte wie Sparsamkeit vermittelt wurden.

Schwabe

Taschengeld und später auch erste Einnahmen aus Nebenjobs, habe ich immer gespart und mich auf den Weltspartag gefreut, weil es dort immer ein kleines Geschenk von der Sparkasse und Volksbank gab. 

Mein Lifestyle war geprägt von den Entscheidungen meiner Eltern. Klamotten haben mir meine Eltern gekauft. Ausgaben hatte ich nur punktuell wenn ich etwas besonderes wollte. Ich kann mich erinnern dass ich mir meine Stereoanlage mit meinem eigenen Geld gekauft hatte.

Interessanter wird es als ich anfing zu studieren. Ich bin von zu Hause ausgezogen und musste meinen ersten eigenen Haushalt in einer WG bestreiten. An die Studienzeit und das Studenten-Leben denke ich gerne zurück. Besonders gut gefallen hat mir der Paradigmenwechsel, weg vom in die Schule „müssen“, hin zum „freiwillig“ in die Vorlesung gehen

Meine Studienzeit wurde mir von meinen Eltern gesponsort. Darüber bin ich sehr dankbar und ich habe auch gesehen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Viele meiner Kommilitonen mussten Bafög beantragen, oder hatten sogar Eltern, die ihnen nicht zum studieren geraten hatten. 

Ich habe monatlich €600 bekommen. Damit habe ich meine Miete und alles weitere bezahlt. Besonders große Sprünge konnte ich damit nicht machen. Das hatte ich aber auch nicht vor. Vielleicht habe ich meine schwäbische Sparsamkeit auch etwas zu ernst genommen. Immerhin wurde ich gerne mal von meinen Freunden in der Uni-Mensa auf den Arm genommen, wenn ich wieder mal das günstigste Mittagessen bestellt habe. Auch auf die €1 Kaffees habe ich häufig verzichtet und mir meinen eigenen mitgenommen. 

Meine Kosten-Situation als Student hatte ich also gut im Griff. Mein Zimmer im Studentenwohnheim hat damals sagenhafte €215 pro Monat gekostet. Neben alltäglichen Kosten für Essen und sonstiges sind mir jeden Monat rund €100 zum sparen übrig geblieben. 

Während dem Studium
Während dem Studium

Im Nachhinein und ca. 10 Jahre später schaue ich natürlich mit einem milderen Auge auf mein damaliges Ich. Ruhig hätte ich mir hin und wieder etwas mehr leisten können. Trotzdem musste ich auf nichts verzichten, hatte Spaß bei Partys und war mittendrin statt nur dabei. 

Der große Sprung bei den Einnahmen und Ausgaben kam dann mit dem Wechsel in das Berufsleben.

 

Mein erster Job

Nach meinem Bachelor Studium, dass ich mit einem Schwerpunkt auf Finanzen beendet hatte, fing ich meinen ersten Job bei einer Bank als Trainee an. 

Mein Einstiegsgehalt waren ca. €50.000 brutto jährlich. Das sind monatlich rund €2.300 netto. Meine Einnahmen sind damit also rund 3,8x höher als zu meiner Studentenzeit. 

Ich bin heute davon überzeugt, dass einer der planbarsten Wege, finanzielle Sicherheit zu erlangen, über einen gut bezahlten Job geht. 

 

Wie sah zu dieser Zeit meine Ausgaben-Situation aus?

Mit Beginn meines ersten Jobs, bin ich nach München gezogen, einer der teuersten Städte in Deutschland. Neben einigen WGs die ich mir angesehen habe, hatte ich auch eine Besichtigung eines kleinen 1-Zimmer Apartments. Dort bekam ich die Zusage und habe somit das erste Mal in meinem Leben alleine gewohnt. Ziemlicher Luxus für mich damals.

Für mich war das Apartment vollkommen in Ordnung, aber die Wohnanlage war schon etwas in die Jahre gekommen und das Zimmer war ebenfalls relativ klein (ca. 25m²) mit nur einer kleinen Kochnische. Es gab auch keine Spülmaschine und zum Waschen musste ich in den Waschkeller zum Münzautomaten gehen.

Für diese Unannehmlichkeiten hatte ich allerdings auch einen super Miete von nur €380 warm pro Monat. Mit Internet, Strom und Handy bin ich also jeden Monat auf Fixkosten von maximal €500 gekommen. 

Andere typische Lifestyle-Inflationsprodukte kamen bei mir nur geringfügig dazu. Da ich in der Stadt wohne, benötige ich kein Auto. 

Größere Ausgaben, die ich während meiner Anfangszeit mir geleistet habe an die ich mich spontan erinnern kann waren zum Beispiel ein Anzug für €600, mehrere Hemden die zwischen €80 und €100 gekostet haben und ein neues Smartphone. Diese eher einmaligen Ausgaben hielten sich also noch im Rahmen.

Dafür haben meine monatlichen Ausgaben deutlich angezogen. Zwar gab es bei der Bank eine Kantine, doch täglich €5-€7 für ein Mittagessen sind trotzdem teurer als ein Mensa Mittagessen. Auch bin ich öfters mal Kaffee trinken, ins Restaurant, oder abends in eine Bar gegangen. 

Glücklicherweise habe ich bereits damals meine Kosten grob per App getrackt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich monatlich rund €1.000 bis €1.200 ausgegeben habe.

Wie hat nun also meine Lifestyle-Inflation zugeschlagen?

Während dem 1. Job
Während dem 1. Job

Das bedeutet dass mein monatlicher Gewinn deutlich angestiegen ist. Ich habe also meine Einnahmen stärker steigern können als meine Ausgaben. 

Das ganze war damals natürlich ein unterbewusster Prozess. Damit einher ging eine Sparrate von (rechnerisch) €1.100 jeden Monat. 

Ein gutes finanzielles Polster sollte jeder aufbauen, falls es zu Jobverlust, Verdienstausfall, oder ungeplanten großen Ausgaben kommt. 

Habe ich am Anfang meines Traineeprogramms noch ein Tarifgehalt bezogen, wurde dies nach 2 Jahren im Job auf ein außertarifliches Gehaltssystem umgestellt.

Relativ schnell und planbar kamen die Gehaltssteigerungen. Nach 3 Jahren in der Bank und einer Beförderung von Analysten zum Associate belief sich mein jährliches Fixgehalt auf €70.000

Jeden Monat erhält man somit netto rund €3.000. Damit verdient man bereits überdurchschnittlich gut in Deutschland, wo das durchschnittliche Nettoeinkommen aller Arbeitnehmer bei monatlich rund €1.890 liegt (Quelle).

 

Karriere und Gehaltssteigerungen

Mittlerweile liegen bereits Jobwechsel hinter mir und ich arbeite nicht mehr bei der Bank. Damit konnte ich mein Gehalt weiter steigern

 

Wie sieht nun meine Kostenseite aus?

Durch einen Umzug von München nach Frankfurt und wieder zurück lebe ich nicht mehr in meinem alten 1-Zimmer Apartment. 

Mittlerweile wohne ich in einem etwas größeren, anderen 1-Zimmer Apartment etwas näher in der Stadt. Mit einem schönen großen Balkon und einer richtigen Küche (mit Geschirrspüler 😉).

Die Wäsche muss ich allerdings immer noch in den Keller zum Münzautomaten tragen. Naja, man kann nicht alles haben…

Meine Fixkosten – unter anderem Miete, Internet, Strom usw – betragen mittlerweile zwischen €800 – €900 pro Monat. Dazu kommen noch weitere Ausgaben für Essen, Bahntickets, Klamotten und Sonstiges von rund €300 bis €500. Das heißt, dass ich pro Monat im Schnitt rund €1.500 ausgebe.

Im Vergleich zu meiner Situation während meines 1. Jobs:

Als Young Professional

Auch in meiner derzeitigen Situation habe ich meine Einnahmen stärker steigern können als meine Ausgaben. Damit steigt die potenzielle Sparrate.

 

Welcher Lifestyle-Inflation unterliege ich?

Über die letzten 15 Jahre hat sich mein Lebensstil deutlich nach oben verschoben. 

Habe ich mir als Student noch den Kaffee am Automaten verkniffen, würde ich ihn mir heute jederzeit genehmigen wenn ich Lust darauf habe.

Meine Urlaube bestanden früher daraus mit Freunden in eine günstige AirBnB Wohnung zu fahren. Heute übernachte ich lieber in einem schönen Hotelzimmer. Dafür gehe ich lieber etwas kürzer in den Urlaub. 

Über bestimmte Luxusgegenstände denke ich heute wesentlich weniger nach und kaufe sie mir einfach. Vor einiger Zeit habe ich mein altes MacBook auf Ebay verkauft. Das hatte immerhin 10 Jahre auf dem Buckel und einige Reparaturen hinter sich. Dafür habe ich mir ein Ipad angeschafft. Eine Investition, die eigentlich nicht wirklich notwendig war. 

Mein letztes Hemd habe ich mir beim Schneider für über €100 anpassen lassen. Sowas wäre mir früher viel zu teuer gewesen. Jetzt bin ich bereit dafür Geld auszugeben. Ebenso für gute Schuhe. 

Hin und wieder erwische ich mich allerdings auch, wie die Lifestyle-Inflation zuschlägt. Vor einigen Wochen habe ich mir ein neues Smartphone zugelegt. Mein altes war eigentlich noch vollkommen in Ordnung – nur etwas langsam geworden. Was soll ich sagen – ich habe mir ein neues gekauft. Zwar kein Spitzenmodell, aber ein paar hundert Euro waren natürlich auch sofort weg.

 

Meine Lifestyle-Inflation – Zusammenfassung

Nach meiner Erfahrung sind die wirklichen Kostentreiber im Leben die Miete, das Auto und der Urlaub (und Scheidungen… hab ich mir sagen lassen :D). 

Daher gilt es diese weitestgehend zu vermeiden, oder so rentabel wie nur möglich zu halten. Nicht jeder kann und will auf ein Auto verzichten. Da macht es dann allerdings Sinn sich einen guten gebrauchten zu suchen anstatt des Neu-, oder Jahreswagens.

Auf meine Sparquote bin ich mit guten Gehaltssteigerungen und nur leicht ansteigenden Kosten gekommen. 

Ich will aber auch so ehrlich sein, dass das nicht so einfach für jeden übertragbar ist. Ein Familienvater wird anders kalkulieren müssen als ein Alleinstehender wie ich es bin. 

Daher plädiere ich dafür, ein Leben mit Maß und Mitte zu führen. Das heißt weder hardcore-Frugalist werden, noch im Luxus schwelgen. 

Wie schlägt bei euch die Lifestyle-Inflation zu? Und was habt ihr euch als letztes „gegönnt“?

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