4 Strategien wie du aus Risiko Rendite machst…und andersrum

Die Börsen stehen weiterhin kurz vor ihrem Allzeithoch. Durch Wallstreetbets und vielen Influencern, kommt viel neues Geld an die Börse, das die Kurse weiter nach oben treibt. Sollten wir da nicht gerade jetzt gut auf unser Geld aufpassen?

In diesem Beitrag geht es um meine persönliche Asset Allokation und ich zeige dir 4 (nicht so offensichtliche) Strategien, wie du Geld aus riskanten Asset Klassen in sichere Asset Klassen bringst…oder andersrum.

Die Verteilung von Risiko und Rendite ist individuell immer sehr abhängig. Um meine Sichtweise besser einschätzen zu können ist hier meine Asset Allokation:

  • 64% ETF-Depot
  • 1% Vermietete Eigentumswohnungen
  • 3% P2P Kredite
  • 12% Bausparvertrag
  • 16% Cash

Gehen wir die Positionen kurz der Reihe nach durch:

ETF-Depot:

Mein ETF Depot ist die größte Säule meiner Asset Allokation. Dort habe ich ca. 64% investiert und habe mir als Ziel für 2021 gesetzt dort €60.000 einzuzahlen. Mal schauen ob ich das schaffe. Ich bin starker Verfechter der „Bud Spencer Methode“. Die Methode sagt, dass für uns Privatanleger große Investitionsbeträge wesentlich wichtiger sind, als Renditen um 0,1% zu steigern.

Seit Beginn, investiere ich in 2 ETFs (MSCI World und MSCI EM). Über einen langen Zeitraum werde ich dort vermutlich rund 6%-7% Rendite vor Steuern erreichen.

Vermietete Eigentumswohnungen:

Ich besitze 3 ETWs, die alle vermietet sind. Meine erste Wohnung habe ich vor 2,5 Jahren gekauft. Dort stehen den Mieteinnahmen die nicht umlegbaren Bewirtschaftungskosten und der Kapitaldienst an die Bank gegenüber. Bei allen 3 Immobilien erziele ich einen kleinen positiven Cashflow nach Kosten. Entgegen der Meinung vieler Immobilien-Gurus ist der monatliche Cashflow irrelevant. Wichtig ist nur, dass die Rendite des Investments stimmt. Vor dem Kauf achte ich darauf, dass mein interner Zinsfuß konservativ gerechnet mindestens 10% beträgt und etwas höher liegt als meine erwartete ETF-Depot Rendite. Nach Abzug der Kredite stellen die Immobilien rund 1% meiner Asset Allocation dar. Ja, richtig gelesen, die Eigenkapitalposition ist wirklich gering und liegt an meinem hohen Leverage.

P2P Kredite

Neben dem ETF-Depot und den Immobilien habe ich vor 2 Jahren einen kleinen Teil in Mintos investiert. Freies Geld wird dort automatisch anhand meiner Strategien wieder angelegt. Die Neuanlage von Geld werde ich vermutlich in 2021 stoppen. Es befinden sich gerade rund 20% meines P2P Kapitals in Rückholung und ich erwarte nur einen Bruchteil davon wieder zu sehen. Meine Rendite, die gerade bei c. 11% liegt, wird also deutlich sinken. Für mich lohnt sich P2P also nicht mehr und ich habe ehrlich gesagt auch kein großes Interesse mehr daran. Meine Allokation in P2P liegt gerade bei rund 3%.

Bausparvertrag

Als guter Deutscher, habe ich natürlich auch einen Bausparvertrag – den meine Eltern noch für mich vor fast 10 Jahren abgeschlossen haben. Dort befinden sich derzeit ca. 12% meiner Asset Allokation. Heute würde ich vermutlich keinen neuen Bausparvertrag mehr abschließen. Auf meinen alten Vertrag bekomme ich allerdings noch ca. 2,5% Zinsen. Deshalb wird er weiter bespart.

Cash

Als letztes kommt das Cash. Ich habe keinen expliziten „Emergency Fund“, aber ich halte schon seit einigen Jahren so viel Cash, dass ich davon wahrscheinlich 2 Jahre leben könnte. Falls Corona 2 kommt, investiere ich auch Teile meiner Cashposition. In meiner aktuellen Asset Allokation macht die Position rund 20% aus.

Was sind sichere Geldanlagen?

In der Finanzwelt wird Sicherheit immer anhand der Schwankungsbreite gemessen. Der Wert meiner Aktien schwankt stärker als der Wert meines Girokontos. Deshalb ist Geld auf meinem Girokonto sicherer als mein Geld in Aktien.

Grob gesagt verfolge ich eine 70% / 30% Verteilung von riskanten zu sicheren Assets. Die Verteilung ist natürlich willkürlich und kann individuell ganz anders aussehen. Zum Einordnen: Ich bin Anfang 30 und ledig. Da können natürlich höhere Risiken eingegangen werden wie beim 45-jährigen Familienvater.

In meiner eigenen Asset Allokation stufe ich mein Cash und meinen Bausparvertrag als „sicher“ ein. Das ETF-Depot, die Immobilien und P2P Kredite sind der „riskante“ Teil. Wer halbwegs mitgezählt hat, kommt auf eine aktuelle Verteilung von 32% sicher zu 68% riskant. Ich habe mein Ziel also noch nicht erreicht.

Immobilien sind doch eigentlich auch „sicher“, oder?

Vergiss es. Nur weil es für Immobilienpreise keine Börse gibt, schwanken diese genauso stark. In dieser Asset Klasse wird zusätzlich mit Fremdkapital gehebelt. Das steigert das Risiko weiter.

Gerd Kommer hat dazu einen guten Beitrag geschrieben in dem er zu dem Fazit kommt, dass privat vermietete Immobilien eher unrentabel sind. Warum mache ich es also trotzdem? Naja, andere investieren in Einzelaktien oder sind Stillhalter. Meinen Drang nach Überrendite lebe ich eben mit ETWs aus 😉

Wie transformiert man riskantes Geld in sicheres Geld?

Kommen wir zum Kern des Beitrags. Wie kannst du aus riskantem Geld, das z.B. in Aktien liegt, sicheres Geld, z.B. auf dem Girokonto, machen?

Strategie 1: Änder deine Asset Allokation

Verkauf Aktien und leg das Geld auf dein Girokonto. Ok, die Verteilung deiner Asset Klassen zu ändern ist ein bisschen zu einfach.

Strategie 2: Verlänger deinen Investitionszeitraum

Hört sich erstmal schwierig an, bedeutet in der Realität aber nur: „länger arbeiten“, oder „früher anfangen“.

Für die Anfänger unter uns gilt also: Mach dir jetzt eine Asset Allokation, zahl Schulden zurück und mach keine neuen und investier den ersten Euro.

Für uns Fortgeschrittene gilt: Länger durchhalten bringt uns näher an die Marktrendite und lässt die Schwankungen unserer Investitionen der ersten Jahre glattbügeln. Wenn ich in 30 Jahrne zurückschaue wird mir hoffentlich egal sein ob ich in Corona investiert habe oder nicht.

Strategie 3: Verdien mehr Geld

Um die Bud-Spencer Methode auch richtig anzuwenden ist es wichtig, besser viel als wenig zu investieren. Viel investiert werden kann nur derjenige, der viel verdient. Sein Gehalt zu steigern ist allerdings ein langfristige Projekt und kann nicht schnell umgesetzt werden. Es hat aber die höchsten Renditen von allen Strategien. 2 Möglichkeiten die du sofort umsetzen kann:

  • Arbeite härter: mach Überstunden, oder nimm einen Nebenjob an
  • Arbeite länger: Anstatt mit Mitte 50 in Frührente zu gehen, arbeitest du noch 2 Jahre länger und verdienst dadurch 2 Jahresgehälter mehr.

Strategie 4: Erhöhe deine Sparrate und damit dein Investitionsbetrag

Wichtiger als die Rendite zu optimieren ist es deinen Investitionsbetrag zu erhöhen.

Ein Startkapital von €100.000 und eine jährliche Investition von €10.000 führen bei 7,0% Verzinsung nach 10 Jahren zu einem Endwert von €344.000.

Wird die Rendite auf 8,0% optimiert, führt das zu einem Wert von €372.000. Ein Plus von €28.000.

Wird allerdings die Rendite bei 7,0% konstant gehalten, aber der Investitionsbetrag auf €15.000 erhöht, führt das zu einem Endwert von €418.000. Ein Plus von €74.000!

Es gibt also die Möglichkeit Geld aus riskanten Anlagen in sichere Anlagen umzuschichten ohne dabei die Asset Allokation zu ändern. Am Schluss sind dabei allerdings nur die 2 „L“ wirklich wichtig:

  1. Leverage: Sei dir bewusst wie viel Schulden du dir leisten kannst.
  2. Liquidität: Das A und O für jedes Unternehmen. Und wir tun gut daran unsere eigenen Finanzen wie ein kleines Unternehmen zu betrachten.

1 Kommentar

  1. Hallo Harald,

    danke für diesen Beitrag, ich selbst setze auf eine Kombination aus Strategie 3 & 4. Der lange Anlagehorizont ist für mich in Stein gemeißelt, kurzfristige Investitionen tätige ich nicht.
    Wie du erwähnst finde ich es auch richtig seine Asset Allokation in regelmäßigen abständen zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
    Bei mir ist momentan z.B. der P2P Teil etwas zu hoch gewichtet und soll im Laufe des Jahres gegenüber der anderen Assets reduziert werden.

    Beste Grüße
    Timo

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